Dating in NYC: Die Suche nach dem Ringeltäubchen

Dating in New York ist wie ein Studium der höheren Mathematik. Ihr müsst Gleichungen lösen, um endlich euer X zu finden, Zahlenwerte kommen und gehen und manchmal ergibt einfach gar nichts einen Sinn. Mit anderen Worten: Wer hier nach der großen Liebe sucht, dem lass von Vornherein eines gesagt sein: ES IST VERDAMMT SCHWER!

Und das sage nicht nur ich. Da wir hier natürlich auch eine männliche Perspektive brauchen, habe ich mich letztens mit meinem amerikanischen Freund Aron über die Dating-Situation in NYC unterhalten – und er sagt das gleiche: „In New York gibt es so viele junge Menschen in einem relativ kleinen Kreis. Fast überall, wo man hingeht, sind die Straßen, Subways und Parks voll mit neuen Menschen, voll mit neuen Möglichkeiten. Es gibt etwas, das man das Paradoxon der Wahl nennt. Es erklärt, wie die Menschen denken: Je mehr Optionen sie haben, desto einfacher wird es, eine Entscheidung zu treffen.“ Kurzes Memo an alle – so funktioniert das nicht! 

Überhaupt jemanden für ein Date zu finden, ist tatsächlich viel schwieriger als man vermuten würde. Klar, es gibt acht Millionen Menschen in New York – doch so einfach ist das nicht. Was NYC ebenso besonders wie schrecklich macht, ist die unendliche Anzahl an Optionen. An jeder Ecke könnte es theoretisch jemanden geben, der hübscher, reicher, besser ist. Außerdem sind alle ständig gestresst, hetzen von einem Ort zum nächsten. Sich spontan verlieben passt da eher nicht in den Zeitplan.

Vielleicht träumt ihr noch davon, jemanden in der U-Bahn kennenzulernen oder eurem Märchenprinz plötzlich mitten im Central Park über den Weg zu laufen. Oder davon, ihm überhaupt jemals IRGENDWO persönlich zu begegnen. Tja, viel Glück dabei – die Stadt ist zwar riesig, aber in New York laufen die Dinge online. 

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Tinderella

Dating Apps sind allgegenwärtig. Und wirklich niemand schämt sich dafür. Warum auch? Immer noch besser als Kandidat bei „Love is Blind“ zu werden…„Fast jeder benutzt Tinder. Es ist einfacher, hinter einem Handybildschirm zu sitzen und nach links oder rechts zu swipen, als wirklich persönlich mit einem Fremden in Kontakt zu treten. Und die Auswahl an potenziellen Partnern ist natürlich noch größer. Mir gefiel es nicht, wie das die Spontanität ruiniert hat, also habe ich vor ein paar Wochen meine gesamten Dating-Apps gelöscht.“ – tja Aron, damit bist du wohl leider so ziemlich alleine. Die Mehrheit der New Yorker Singles ist heute auf „Tinder“, „Bumble“, „Hinge“ oder sonst wo im World Wide Web unterwegs, also war es auch für mich an der Zeit online mein Glück zu versuchen. 

Was ich dabei über die Männerwelt herausgefunden habe? Zeit ist Geld, deswegen werden die wichtigen Fragen gleich am Anfang gestellt: Beruf und Wohnort. Am besten bitte gleich mit genauer Position und Adresse. Der Stadtteil reicht hier nicht – es ist das gleiche wie bei Monopoly. Es macht einen großen Unterschied, ob ihr auf der Park Avenue oder irgendwo an der 35. Straße wohnt.

Investment Banker – gibt’s in NYC keine anderen Jobs?

Und noch was: Gefühlt jeder arbeitet an der Wall Street. Spätestens wenn sich das fünfte Date mit Beruf Investment Banker vorstellt – remember, wir wollen hier keine Zeit verschwenden – stellt sich die Frage, ob es in der Stadt gar keine anderen Arbeitsplätze gibt. Oder ob auch schon der Fensterputzer von der Wall Street sagen darf, dass er im Bereich Finance arbeitet. 

Zeit ist Geld

Habt ihr nach langem Links-und-Rechts-Geswipe dann endlich euer Herzblatt gefunden, lässt die Einladung zum ersten Date nicht lange auf sich warten. Zeit ist Geld und so. Wer braucht da schon ewiges Hin-und-her-Texten. Wie romantisch es wäre, wenn er euch mit seinem Wagen vor der Haustür abholt. Vielleicht noch ein Strauß Rosen in der Hand… Vergesst es! Die typische Dating-Etikette gilt in New York nicht. Ihr müsst selbst herausfinden, wie ihr zu der Bar – ein Restaurant wäre für’s erste Date schon viel zu vertraut – kommt, die euer Auserwählter vorgeschlagen hat.

Also ab ins Uber. Aber was macht ihr, wenn ihr zuerst da seid? Um dieser nervigen Ungewissheit aus dem Weg zu gehen, bin ich bei meinen Dates in New York konsequent zu spät gekommen. Hat auch immer bestens funktioniert: Ich genoss beim Betreten einen glanzvollen Auftritt und der Typ wartete schon mit zwei Cocktails an der Bar. Bis auf den einen Schlingel, der extra eine Location direkt neben seinem Apartment ausgewählt hatte und erst runter kam, als ich ihm schrieb, wo er denn bleibe. Seine Effizienz in allen Ehren, aber die Nacht habe ich dann trotz des längeren Weges doch lieber in meinem eigenen Zimmer verbracht. 

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Treue? Fehlanzeige!

Solltet ihr und euer Gegenüber nach dem ersten Date immer noch Kontakt haben, ruft schon mal den Wedding-Planner an. In New York gibt es viele Eintagsfliegen. Das Schwierigste ist es, jemanden zu finden, der euch über einen längeren Zeitraum hinweg daten möchte. Oder besser gesagt mit euch „abhängen“ möchte, weil das Wort „Date“ sich schon viel zu ernst anhört. Habt ihr also dieses eine Ringeltäubchen gefunden, das sich in regelmäßigen Abständen immer wieder bei euch meldet, lasst es bloß nicht los!

Aber vorsicht – vielleicht seid ihr nicht die einzige, der es so süße Nachrichten schreibt. „Mutliple-Dating“ ist in New York kein Geheimnis. Es wird als ganz normal angesehen, sich an verschiedenen Wochentagen mit verschiedenen Frauen zu treffen“, verrät mir unser Insider Aron. Na toll, Montag Tina, Dienstag Erica, Mittwoch Katie oder was?

Und mir ist schon der kalte Schweiß den Rücken runter gelaufen, als mich Typ A und Typ B beide nach einer Verabredung am Wochenende gefragt haben. Das Ende vom Lied? Ich habe keinen der beiden an diesem Wochenende getroffen, aus Angst dem anderen zufällig beim Date über den Weg zu laufen. In einer Stadt mit über ACHT MILLIONEN Einwohnern – ich schätze, ihr könnt euch denken, an wen dieser Punkt ging. Hätte ich das nur vorher gewusst… Dreistigkeit siegt

Was bleibt sind die guten Geschichten

Und zu guter letzt: Selbst wenn euch jemand über längere Zeit hinweg kontinuierlich datet, müsst ihr euch darauf nicht zwangsläufig etwas einbilden. Ob sie es zugeben wollen oder nicht, manche Leute (und da schließe ich mich selbst gar nicht aus) daten nur wegen der Geschichten. Zum Beispiel, weil sie unbedingt mal dieses angesagte Restaurant ausprobieren wollen oder die neue Show am Broadway besuchen, von der in der New York Times so geschwärmt wurde. Oder in meinem Fall: Champagner auf dem Rooftop des „Mandarin Oriental“ schlürfen mit atemberaubendem Blick auf den Central Park. So nah dran am New Yorker Luxus-Lifestyle war ich das letzte Mal in einer Folge von „Gossip Girl“. Da kann man das langweilige Geschwafel seiner Begleitung über Aktien und den neuen Mahagoni-Fußboden ruhig mal für ein paar Stunden über sich ergehen lassen.

New York hat mir sicherlich ein paar unvergessliche Dating-Stories beschert. Also, auch wenn es nicht der Traumprinz ist, nehmt diese einmaligen Erfahrungen mit, denn Dating im Big Apple ist wirklich ganz anders als überall sonst. Und wenn ihr mit eurem Liebesleben mal wieder am Verzweifeln seid, denkt einfach an diesen altbekannten Dating-Spruch: Es liegt nicht an dir. Es liegt an mir – na schönen Dank New York! 

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